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Die kleine Wohnküche mit Stauraum-Wunder
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<br><br><br>Wir standen da, in dieser typischen Altbauwohnung in Berlin, und der Grundriss war einfach absurd. Achtzehn Quadratmeter in der Küche, aber das Wohnzimmer war kaum größer als ein Kleiderschrank. Die Lösung lag auf der Hand, auch wenn sie zunächst verrückt klang: die fitted kitchen musste zum Herzstück des kleinen Wohnraums werden. Nicht nur zum Kochen, sondern auch zum Schlafen für Gäste. Wir rissen die Wand ein und schufen einen offenen Bereich. Die fitted kitchen wurde entlang einer ganzen Wandseite geplant, von der Decke bis zum Boden. Unten die Schränke für Töpfe und Pfannen, oben für die Gläser. Aber dazwischen, genau auf Arbeitsplattenhöhe, setzten wir eine Aussparung für eine maßgefertigte Liegefläche. Einfach ein tiefes Fach, das wie ein Bett mit Stauraum unter dem Sitzpolster fungiert.<br><br><br><br>Der Trick war, dass es nicht wie ein Bett aussah, wenn man den Raum betrat. Tagsüber lag dort eine dicke Sitzauflage aus hochdichtem Schaumstoff mit einem Bezug aus Velvet-Upholstery in einem tiefen Waldgrün. Darauf lagen ein paar Kissen und eine Decke. Es wirkte wie eine gemütliche Leseecke, ein Fensterplatz zum Träumen. Aber wenn Besuch kam, zog man einfach die Schublade unter dem Sitz heraus. Da war ein vollwertiges slatted frame versteckt, ein Lattenrost auf Metallschienen, der sich ausklappen ließ. Darauf legten wir eine 16cm foam mattress, die vorher zusammengerollt in einem Vakuumbeutel im Vorratsschrank lag. Innerhalb von zwei Minuten verwandelte sich die Küchensitzbank in ein Gästebett. Der Gast schlief auf einer echten Matratze, nicht auf einem durchgelegenen Sofa.<br><br><br><br>Das echte Problem kam aber mit den Textilien. Wo verstaut man zwei Bettdecken, zwei Kopfkissen und ein Laken, wenn der einzige Schrank im Flur schon voll mit Winterjacken ist? Ich hasse diese durchsichtigen Plastikboxen, die jeder sieht. Deshalb integrierten wir in der fitted kitchen einen schmalen, direkt neben dem Kühlschrank, nur achtzig Zentimeter breit. Die Türen sind bündig mit den anderen Fronten, aber die Einteilung ist speziell. Drei schmale Fächer übereinander mit je einer Klappe. In jedem Fach liegt gerollt eine Bettwäschegarnitur. Die Decken sind vakuumiert und passen genau in die unteren beiden Fächer. Wenn ich sage, dass der Gast dann morgens die Bettsachen selbst wieder in die Schränke stopfen muss, dann ist das nicht unfreundlich gemeint. Es ist einfach praktisch, weil es keinen anderen Platz gibt.<br><br><br><br>Noch ein Problem war der tägliche Sitzkomfort. Eine Küchenbank, die hart ist wie ein Brett, will ja keiner. Aber ein weiches Polster, das sich beim Schlafen eindrückt, taugt auch nichts. Die Lösung war ein click-clack mechanism unter dem Polster. Man kann die Rückenlehne der Bank umklappen, sodass sie flach wird. Klingt nach einer billigen Campingliege, ist es aber nicht. Der Mechanismus ist aus stabilem Stahl, und die Polster sind so geschnitten, dass sie in beiden Positionen passen. Tagsüber sitzt man aufrecht mit einer leichten Neigung, abends kippt die Rückenlehne nach hinten und das Polster bildet eine durchgehende Liegefläche von 190 Zentimetern Länge. Der Lattenrost ist dann nicht mehr das slatted frame von der Sitzbank, sondern ein zweiter, der unter der Sitzfläche in einer Aussparung liegt.<br><br><br><br>Ich erzähle Ihnen das so detailliert, weil ich selbst drei Jahre in dieser Wohnung gelebt habe. Die fitted kitchen war nicht nur eine Arbeitsplatte mit Herd. Sie war ein Möbelstück, das fast jeden Quadratzentimeter doppelt nutzte. Der Herd stand zum Beispiel auf einer Auszugplatte, die man über das Spülbecken schieben konnte, wenn man mehr Arbeitsfläche brauchte. Aber die größte Hürde war der Gast, der nicht erwartet, in der Küche zu schlafen. Ich habe gelernt, dass das Ambiente den Unterschied macht. Eine billige Polsterung riecht nach Chemie und fühlt sich klebrig an. Deshalb die Velvet-Upholstery, denn Samt fühlt sich hochwertig an und nimmt keine Fettgerüche aus der Küche auf. Nach drei Jahren roch das Polster immer noch neutral, obwohl direkt daneben der Dampfabzug der Dunstabzugshaube war.<br><br><br><br>Und dann die Sache mit dem Pull-out sofa. Wir dachten erst, das wäre zu kompliziert. Aber mein Freund bestand auf diesem System, bei dem man die Sitzfläche nach vorne zieht und die Rückenlehne automatisch runterklappt. Das Ding kostete zweihundert Euro mehr als eine einfache Bank. Es war die beste Investition. Der Mechanismus läuft auf Kugellagern, und man braucht nur eine Hand, um das Bett auszufahren. So ein Sofa bed ist nicht nur für Gäste da. Ich habe selbst oft darauf geschlafen, wenn ich nachts noch arbeiten musste und meinen Partner nicht wecken wollte. Die Matratze, die mitgeliefert wurde, war aus Kaltschaum mit einer 18 cm foam mattress. Die war härter als meine normale Matratze, aber für den Rücken viel besser. Kein Durchsacken, kein [https://www.europeana.eu/portal/search?query=Schwitzen Schwitzen].<br><br><br><br>Am Ende stand ich vor der Frage: Kaufe ich ein fertiges Küchensofa oder baue ich alles selbst in die fitted kitchen ein? Die Entscheidung für den Eigenbau hatte einen Haken. Die Scharniere der Schranktüren mussten verstärkt werden, weil das Gewicht der Matratze die Seitenwände nach außen drückte. Ein Tischler hat mir dann Aluprofile eingelassen, die die Konstruktion stabilisierten. Das sieht man nicht, aber es trägt. Ich würde heute wieder so bauen, aber ich würde die Matratze vorher anliefern lassen und die Maße so nehmen, dass sie millimetergenau in das Fach der bank mit Stauraum passt. Und ich würde die Polsterung der Sitzbank nicht schwarz nehmen, sondern einen helleren Ton, denn in einer fitted kitchen sammelt sich Staub von Mehl und Gewürzen, den man auf dunklen Stoffen sofort sieht.<br><br><br><br>Wenn Sie also eine Wohnung haben, in der die Küche das größte Zimmer ist, und Sie trotzdem Gäste beherbergen wollen, dann denken Sie um. Vergessen Sie das Wohnzimmer-Sofa. Bauen Sie die Schlaffunktion direkt in Ihre Küchenzeile ein. Ein click-clack mechanism plus ein ausziehbares Lattenrost unter dem Sitz. Das ist mehr Platz und weniger Gepolster als ein ausklappbarer Sessel. Und der Geruch von frischem Kaffee am Morgen, den Ihr Gast direkt aus dem Bett riecht? Das ist kein Nachteil, das ist der beste Wecker der Welt. Nur die Bettwäsche sollten Sie vorher waschen.<br><br>
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