Wenn das Kinderzimmer plötzlich zum Gästezimmer wird
Meine Tochter hat ein Händchen dafür, genau dann Freundinnen zum Übernachten einzuladen, wenn ich gerade die Wäscheberge sortiere und das Wohnzimmer aussieht wie ein Spielzeuglager nach der Explosion. Und dann steht man da: zwei kleine Gäste, eine Luftmatratze, die nach drei Stunden Luft verliert, und der leise Verdacht, dass man sich besser vorbereiten könnte. Gerade in einem Familienhaus mit Kindern ist Platz oft ein Luxus, über den man erst nachdenkt, wenn er schon knapp wird. Die Lösung liegt nicht im Anbau, sondern in Möbeln, die zwei Leben führen.
Der Klassiker unter den Raumwundern ist natürlich der sofa bed. Aber nicht jeder ist gleich. Ich habe drei verschiedene Modelle in den letzten Jahren getestet. Der erste hatte eine billige Schaumstoffmatratze, bei der man morgens mit Rückenschmerzen aufwachte wie nach einem Umzug. Der zweite besaß einen cleveren Klappmechanismus, aber die Sitzfläche war zu hart für lange Fernsehabende. Inzwischen schwöre ich auf eine Kombination aus einer hochwertigen 16 cm foam mattress auf einem stabilen slatted frame. Das macht den Unterschied zwischen einem Notlager und einem echten Bett.
Was viele vergessen: Die Bezüge müssen mitwachsen. Bei uns im Familienhaus mit Kindern landet früher oder später jeder Fleck auf dem Stoff. Einmal ist einer kleinen Wilden der rote Bananensaft direkt auf die Armlehne getropft. Seitdem setze ich auf velvet upholstery. Das klingt vielleicht zu edel für ein Kinderzimmer, aber der samtige Stoff ist erstaunlich robust. Krümel perlen ab, Saftflecken lassen sich mit einem feuchten Tuch wegwischen, und die Farbe verblasst nicht nach drei Monaten. Und er fühlt sich einfach angenehm an, wenn die Kleinen darauf klettern.
Der größte Feind in einem Familienhaus ist aber die fehlende Ordnung. Spielzeug, Bücher, die verflixte Socke, die immer irgendwo liegt. Und dann kommen noch Gäste dazu und man braucht plötzlich Platz für deren Sachen. Deshalb ist ein bed with storage ein Gamechanger. Wir haben ein Modell, bei dem die gesamte Liegefläche angehoben wird und darunter vier große Fächer entstehen. Da passen nicht nur Bettwäsche und Kissen rein, sondern auch die Winterjacken der Kinder oder das Lego-Dorf, das gerade nicht im Weg stehen soll. Endlich hat das Chaos einen Ort.
Aber nicht jedes Kind wird mit sechs Jahren ein eigenes Zimmer bekommen. Unser Sohn teilt sich sein Reich mit der Nähmaschine und dem Wäscheständer. Da hilft nur ein cleverer Tagesmechanismus. Die pull-out sofa ist hier die Rettung. Tagsüber ist sie eine gemütliche Couch, auf der er seine Bilderbücher liest. Nachts ziehe ich das Unterteil einfach heraus, und schon steht ein richtiges Bett da. Der Clou: Der Stauraum unter der Sitzfläche ist tief genug für die Bettdecken, damit diese nicht ständig auf dem Regal rumfliegen. Das reduziert den täglichen Aufräumwahn um gefühlte 50 Prozent.
Ein besonderes Highlight ist der click-clack mechanism. Den habe ich lange nicht verstanden. Klingt nach einem Kaufhausgag. Aber bei der richtigen Umsetzung ist das eine der besten Erfindungen für kleine Räume. Man lehnt die Rückenlehne nur kurz zurück, ein klackendes Geräusch, und schon liegt die Liegefläche flach. Das geht so schnell, dass selbst ein beim Spielen versehentlich das Bett aufklappen kann. Also Vorsicht: Immer den Kinderschutz mitbedenken. Aber für spontane Übernachtungen ist es unschlagbar. Man muss nicht erst Kissen und Decken aus dem Schrank kramen.
Trotz aller Mechanik bleibt eines wichtig: Die Matratze darf nicht zu dünn sein. Ich habe gelernt, dass eine 12 cm Schaumstoffauflage bei einer pull-out sofa nach einem Jahr durchgelegen ist. Die Kinder springen darauf, turnen herum, und das Material leidet. Besser ist eine dickere foam mattress, mindestens 16 cm, die man auch mal wenden kann. Und der slatted frame sollte aus echtem Holz sein, nicht aus diesem dünnen Pressspan, der nach zwei Monaten bricht. Wer billig kauft, kauft zweimal. Das gilt im Haus mit Kindern doppelt.
Ich habe einmal eine Woche gebraucht, um meinen Mann davon zu überzeugen, dass ein sofa bed mit Stauraum in sein Arbeitszimmer gehört. Jetzt steht da ein Modell mit velvet upholstery in einem gedeckten Blau. Wenn die Schwester übers Wochenende kommt, wird innerhalb von zwei Minuten aus dem Schreibtischzimmer ein Gästezimmer. Die Kinder lieben es, weil sie auf dem weichen Stoff herumtoben können. Und ich liebe es, weil ich nicht mehr im Flur über zusammengerollte Isomatten stolpere. Ein einziger Handgriff verwandelt den Raum.
Wer denkt, er müsse für Gäste ein separates Zimmer freihalten, der irrt. In einem Familienhaus mit Kindern ist jeder Quadratmeter heilig. Nutzt ihn doppelt. Stellt eine pull-out sofa ins Kinderzimmer oder einen bed with storage ins Wohnzimmer. Überlegt genau, welche Mechanismen ihr braucht. click-clack mechanism oder ausziehbar – beides funktioniert, aber nicht jedes passt zu jedem Kind. Probiert es aus im Möbelhaus. Lasst eure Kinder draufspringen. Und wenn der Veloursbezug nach einem Jahr noch gut aussieht, habt ihr alles richtig gemacht. So wird das Familienhaus zum Gästehotel, ohne dass die Kinder auf ihrem Spielplatz verzichten müssen.